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Meine Eindrücke vom Kirchentag 2015

Immo Hüneke

Stuttgart und Bad Cannstatt: überfüllte und fast überforderte Städte in brütender Sommerhitze. Überall Menschen in allen Altersgruppen mit roten Halstüchern, die das Motto „damit wir klug werden“ und das Piktogramm einer Lupe tragen. Mich erinnert das kleine Bild eher an die Aussparungen im Gehäuse eines altmodischen Floppy Disk. Das Team aus Großbritannien baut am Mittwoch bis etwa 15 Uhr den Ausstellungsstand der Synode auf. In der Zelthalle auf dem Cannstätter Wasen am Neckarufer ist es heiß. Es kommen Zweifel auf, ob unser Angebot englischen Tees wirklich „ankommt“!

Ab 18 Uhr bin ich mit dem Bachchor Stuttgart und meiner Gastgeberin Heidi Wucherer zu einer Probe in der Liederhalle. Es ist anstrengend - die Uraufführung von Martin Smolkas eigens komponierten Sacred Vessel wird eingeübt.

Von dort gehen wir zum Abend der Begegnung in der Innenstadt - überall stehen Buden und Zelte, wo sich die unterschiedlichsten kirchlichen und neben-kirchlichen Einrichtungen darbieten und interessante Handarbeiten, Schriften, Speisen und Getränke anbieten. Wir treffen uns mit Sunhild Walker-Kier aus der Bonhoefferkirche und suchen vergeblich eine Eisdiele, bis wir schließlich eine finden, wo die Schlange „nur“ etwa 10 Menschen lang ist. An vielen Ständen gibt es kleine Bäumchen aus Karton zu sammeln, die mit ihren unterschiedlichen Farben die Regionen Baden-Württembergs symbolisieren. Heidi ist ab 22 Uhr in dem Chor, der auf dem Kronprinzplatz ein Konzert gibt. Wir hören gern zu und werden eingeladen, bei den vielen lustigen schwäbischen Liedern mitzusingen. Der Abend wird mit einer wunderschönen kerzenbeleuchteten Andacht im Freien abgeschlossen. Die öffentlichen Verkehrsmittel brauchen mehrere Stunden, um die vielen Tausend Teilnehmer in ihre Quartiere zu verfrachten.

Die nächsten drei Tage sind ein Wirbel von Eindrücken. Bibelarbeiten, Vorträge und Podiumsdiskussionen (z.T. mit Prominenten), Standbesuche auf dem „Markt der Möglichkeiten“, Konzerte, Offene Singen, Gottesdienste aller Art, Kabarett, Dienst am Ausstellungsstand. Wir begrüßen hunderte von interessierten Menschen, die sich über unsere Auslandsgemeinden erkundigen wollen - allein unser Preisquiz zieht etwa 300 Einsendungen an. Die mitgebrachten britischen Plätzchen sind in einem Tag verschenkt und wir müssen vor Ort neue besorgen. Einige Themen werden allmählich deutlich: das nachsichtige Umgehen aller unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften miteinander ist überlebenswichtig; ebenso eine neue Ordnung in der Weltwirtschaft, so daß unser Wohlstand nicht länger auf ständigem „Wachstum“ beruht, denn dieses Modell fügt der Schöpfung immer größere Schäden zu.

Mit einem riesigen Gottesdienst im Freien schließt die Veranstaltung am Sonntagmorgen ab. Noch lange klingen die fröhlichen Lieder im Ohr: ... Erinnere uns an den Anfang, an Ursprung und Werden, Vergehen, damit wir das Leben verstehen, damit wir klug, damit wir klug, damit wir klug werden.


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